KI im Recruiting – Entscheidungen im Schatten der Algorithmen

In der heutigen Geschäftswelt setzen viele Unternehmen aller Größenordnungen und Branchen verstärkt auf die transformative Kraft der Künstlichen Intelligenz (KI) im Recruiting. Von globalen Konzernen bis hin zu aufstrebenden Start-ups nutzen sie KI, um Bewerbungsverfahren effizienter zu gestalten und die Arbeitslast ihrer Personalabteilungen zu reduzieren. Doch während die offensichtlichen Vorteile dieser Entwicklung nicht zu leugnen sind, wirft die weitreichende Anwendung von KI in diesem Kontext auch wichtige ethische Fragen auf. Welche moralischen Bedenken und Herausforderungen ergeben sich aus der Nutzung von KI im Recruiting?

Künstliche Intelligenz im Recruiting

Kategorie: Human Resources | Lesedauer: 04 min | veröffentlicht am 14. März 2024
Zielgruppe: Arbeitgeber:innen
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Künstliche Intelligenz im Recruiting
Zwischen Automatisierung und Ethik

Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) im Recruiting verspricht eine Vielzahl von Vorteilen, indem sie Prozesse optimiert und Arbeitsabläufe vereinfacht. Doch während die Automatisierung im Bewerbungsprozess an Bedeutung gewinnt, ist es entscheidend, auch die ethischen Aspekte nicht aus den Augen zu verlieren.

Als Unternehmer:in müssen Sie sich bewusst darüber sein, wie der Einsatz von KI im Recruiting ethische Fragestellungen beeinflussen kann. 

  1. Wie können Sie sicherstellen, dass die Automatisierung nicht von Voreingenommenheit oder Diskriminierung geprägt ist?

Inmitten dieser wichtigen Diskussion rückt besonders eine Frage in den Fokus: 

  1. Kann KI empathisch und unvoreingenommen Bewerber:innen beurteilen und eine faire Auswahl treffen?

Wie funktioniert KI-Recruiting?

Um die Funktionsweise des KI-Recruitings genauer zu verstehen, werfen wir einen eingehenderen Blick darauf, wie Recruiting mithilfe von KI-Systemen tatsächlich abläuft.

Beurteilung von Menschen

Die Entwicklung und Anwendung von KI-Systemen im Recruiting erfordern zunächst die maßgebliche Beteiligung von Menschen. KI agiert nicht eigenständig, sondern wird von menschlichen Experten mit Daten trainiert und konfiguriert. 

Hierbei ist entscheidend zu erkennen, dass die Qualität und Objektivität der KI-Ausgabe stark von der Qualität und Objektivität der trainierenden Daten abhängt. Wenn also die Person, die die KI trainiert, von Vorurteilen beeinflusst ist, spiegelt sich dies zwangsläufig im Verhalten des KI-Systems wider.

KI reproduziert Muster und Tendenzen

Ein weiterer entscheidender Faktor ist, dass KI-Systeme dazu neigen, die Muster und Tendenzen in den Daten zu erlernen und zu reproduzieren, mit denen sie trainiert werden. Wenn diese Daten diskriminierende oder voreingenommene Merkmale enthalten, besteht die Gefahr, dass das KI-System diese Vorurteile verstärkt und in seine Entscheidungsprozesse integriert.

Die eigentliche Herausforderung besteht daher nicht nur in der Entwicklung hochentwickelter KI-Algorithmen, sondern auch in der Gewährleistung eines ethischen und fairen Umgangs mit den zugrunde liegenden Daten. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Unternehmen und Entwickler:innen regelmäßig die Qualität und Neutralität ihrer Datenquellen überprüfen und sicherstellen, dass diese frei von jeglicher Diskriminierung oder Voreingenommenheit sind.

Daten für KI im Recruiting:
Die Grundlage für faire Entscheidungen

Um KI-Systeme für das Recruiting zu entwickeln, werden sie von Programmier:innen mit einer Vielzahl von Daten gefüttert. Dazu gehören 

  • Lebensläufe,
  • Online-Profile,
  • historische Einstellungsdaten,
  • Interviewtranskripte,
  • rechtliche Richtlinien,
  • branchenspezifisches Wissen und
  • unternehmenseigene Daten.

Diese Daten bilden das Fundament, auf dem die KI aufbaut, um Bewerber:innen zu bewerten und Entscheidungen zu treffen.

Die Qualität und Vielfalt dieser Daten sind entscheidend für die Fairness des KI-Recruitings. Es ist unerlässlich, dass die Verarbeitung dieser Daten ethisch einwandfrei und rechtlich korrekt erfolgt.

Nur so kann sichergestellt werden, dass der Bewerbungsprozess frei von Diskriminierung einzelner Kandidat:innen ist.

Ethische Probleme im KI-Recruiting

Bias

Wenn von Bias gesprochen wird, bezieht sich dies auf die Verzerrung der Realität, die durch KI im Recruiting erzeugt wird. Diese Verzerrung entsteht, weil Entwickler:innen von KI unbewusst ihre eigenen Voreingenommenheiten in das System einfließen lassen. Die Folge solcher Verzerrungen ist, dass Bewerbungsprozesse nicht fair ablaufen und der Förderung von Diversität im Unternehmen im Wege stehen.

Vorurteile und Diskriminierung durch KI verstärkt

Eine weitere berechtigte Sorge besteht darin, dass KI möglicherweise Diskriminierung sogar verstärken könnte.

EXKURS: Was ist die Popularitätsbias?

Die Popularitätsbias in KI bedeutet, dass Algorithmen dazu neigen, populäre Vorschläge zu bevorzugen und zu verbreiten, anstatt weniger bekannte. Wenn diskriminierende Vorurteile in den Algorithmus gelangen, können sie sich durch diesen Bias weiter verbreiten und verstärken, was bestehende Ungleichheiten verstärken kann.

Umgang mit ethischen Problemen im KI-Recruiting

Die Bewältigung ethischer Probleme, die beim Einsatz von KI im Recruiting auftreten können, erfordert ein bewusstes Handeln der Menschen, die hinter der KI stehen. Durch eine kluge Herangehensweise können diese Herausforderungen erfolgreich gemeistert werden:

  • Transparenz der Algorithmen sicherstellen
  • Regelmäßige Überprüfung auf Bias-Quellen durchführen
  • Ethische Grundsätze bewusst in Entwicklungsprozesse integrieren
  • Sorgfältige Auswahl und Diversifizierung der Trainingsdaten gewährleisten
  • Kontinuierliche Überwachung und Anpassung der KI-Systeme durchführen

Rolle der Bewerber:innen im KI-Recruiting

Für die Wahrung der Fairness sollten Arbeitgeber Bewerber:innen transparent über die eingesetzten KI-Systeme im Recruiting informieren. Dies ermöglicht es den Bewerber:innen, die getroffenen Entscheidungen angemessen zu hinterfragen und nachzuvollziehen.

Die Bewerber:innen spielen auch eine entscheidende Rolle bei der kontinuierlichen Verbesserung der KI-basierten Recruiting-Systeme. Durch Feedback-Mechanismen können sie aktiv in die KI-Entwicklung eingebunden werden, wodurch eine praxisnahe Optimierung und Anpassung an die Bedürfnisse der Bewerber:innen erreicht werden kann.

Chancen durch den Einsatz künstlicher Intelligenz

Durch bewusste Reflexion und fortlaufende Überwachung des Entwicklungsprozesses von KI-Systemen bietet KI die Möglichkeit, Voreingenommenheiten schneller zu identifizieren und zu beseitigen. KI hat das Potenzial zu lernen, dass Diversität von Vorteil ist. Wenn eine KI aufgrund bestimmter Attribute diskriminiert, kann sie so trainiert werden, diese Attribute zukünftig auszuschließen.

Bei der Programmierung von KI ist es entscheidend, Fairness mathematisch zu definieren. Gelingt dies, können KI-Systeme langfristig sogar weniger diskriminierend sein als Menschen. Im Gegensatz zu tief verwurzelten Glaubenssätzen im menschlichen Denken lassen sich Algorithmen vergleichsweise leichter anpassen.

Künstliche Intelligenz im Personalmanagement und der Artificial Intelligence Act

FAQs zum Thema

FAQs zum Thema:
KI im Recruiting – Entscheidungen im Schatten der Algorithmen

1. Frage:

Welche ethischen Probleme bringt KI-Recruiting?

Antwort: KI-Systeme weisen oft Bias auf: Das ist eine Verzerrung der Realität durch menschliche Prägungen beim Entwickeln der Systeme. Außerdem könnte KI Diskriminierung aufgrund des Popularitätsprinzips verstärken, wenn sie nicht laufend überprüft und angepasst wird. Somit besteht das ethische Problem, dass KI Diversität verhindert.

2. Frage:

Welche Daten verwendet KI im Recruiting?

Antwort: Um KI-Recruiting Systeme zu entwickeln, werden Lebensläufe, Online-Profile, historische Einstellungsdaten, Interviewtranskripte, rechtliche Richtlinien, branchenspezifisches Wissen und eigenständige Unternehmensdaten herzangezogen.

3. Frage:

Welche Chancen hat KI-Recruiting?

Antwort: Mit kritischem Bewusstsein und dem Willen zur ständigen Verbesserung kann KI-Recruiting nicht nur den Bewerbungsprozess effizienter gestalten. Sie kann langfristig Diversität sogar fördern, indem sie lernt, dass Vielfalt etwas Gutes ist. Schneller als beim Menschen können Voreingenommenheit und Diskriminierung abgebaut werden.

 

Wir fassen zusammen

Seit einigen Jahren wird KI erfolgreich in verschiedenen Bereichen eingesetzt und hat zahlreiche Abläufe, einschließlich des Recruiting-Prozesses, vereinfacht. Dennoch wirft die Verwendung von KI ethische Fragen auf: 

Leiden Fairness und Diversität unter dem Einsatz von KI-Systemen? 

Mit dem Bewusstsein, dass KI stets von den Menschen hinter ihr und den Daten, mit denen sie gefüttert wird, abhängig ist, können Lösungen für diese ethischen Probleme entwickelt werden. Darüber hinaus kann ein kritischer Umgang mit KI sogar dazu beitragen, die Diversität in der Arbeitswelt zu steigern.

 

Maria Schätzer, BA

Nach ausgedehnten Weltreisen und einer Yogaausbildung in Indien habe ich mit Mitte 20 mein Germanistik-Studium abgeschlossen und hatte einen Traum: das Schreiben zum Beruf zu machen. Mit den Jahren wuchsen meine selbstständigen Projekte, während ich mein Angestelltendasein immer weiter zurückschrauben konnte. Heute arbeite ich vollkommen selbstständig als Yogalehrerin und Autorin. Ich setze Biografien für Klienten um, schreibe Werbetexte und blogge. Diese Tätigkeiten erlauben es mir, weitestgehend ortsunabhängig zu arbeiten. Immer wieder reise ich mit meinem Notebook und hole mir weltweit Inspiration und Input für meine Texte.

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