Die Frage nach dem Kündigungsgrund: währt Ehrlichkeit am längsten?

In Bewerbungsfragen gibt es so manche tückische und unangenehme Frage. Eine davon ist die Frage nach dem Kündigungsgrund. Insbesondere, wenn nicht Arbeitnehmer*in, sondern Arbeitgeber*in das Arbeitsverhältnis beendet hat. Ist es besser, ehrlich zu antworten oder zu lügen? Das klären wir in diesem Beitrag.

Frage nach dem Kündigungsgrund: ehrlich vs. lügen

„Warum haben Sie gekündigt?“

Ein Jobwechsel begründen sind die üblichen Herausforderungen im Laufe des Arbeitslebens, die uns üblicherweise nicht nur einmal begegnen. Die damit einhergehende Frage nach dem Kündigungsgrund ist damit nicht unbedingt kritisch. Doch je nach Kündigungsgrund kann sie verunsichern. Das sollte dir allerdings nicht passieren. Denn wer hier zögert und ungereimte Geschichten erzählt, lässt Raum für Spekulationen. Doch ehe wir erklären, was du vermeiden und was du tun sollst, wollen wir uns fragen, was Personaler*innen mit der Frage denn eigentlich beabsichtigen.


Was steckt hinter dieser Bewerbungsfrage?

Personaler*innen wollen grundsätzlich mehr über potenzielle Mitarbeiter*innen erfahren. Sie wollen wissen,

  • ob du in das Unternehmen,
  • das Team und
  • zur ausgeschriebenen Stelle

passt. Auch bei der Frage nach dem Kündigungsgrund geht es darum, mehr über die Bewerber*innen zu erfahren.

  • Wie hoch ist deine Belastungsgrenze?
  • Wie hoch sind deine Ansprüche, gerade in Sachen Bezahlung?
  • Suchst du nach Aufstiegschancen, die du zuvor vermisst hast?
  • Hast du Durchhaltevermögen oder schmeißt du schnell das Handtuch, wenn du vor einer Herausforderung stehst?

Das sind Dinge, die Personaler*innen interessieren und die sie damit erfahren möchten. Das zeigt: Es geht nicht darum, dich zu quälen oder zu disqualifizieren.

Deswegen unser Tipp:
Versuche in Bezug auf deinen Kündigungsgrund authentisch und ehrlich zu sein.

Selbst wenn es Schwierigkeiten gab – setze dich damit auseinander und zeige, dass du die Situation reflektiert und die notwendigen Schlüsse daraus gezogen hast.

Lügen haben kurze Beine – auch auf der Karriereleiter.

Die Frage kann übrigens auch anders gestellt werden. Andere Formulierungen, die auf dasselbe abzielen sind:

  • Was gefällt Ihnen an Ihrem derzeitigen Job nicht?
  • Warum suchen Sie einen neuen Job?
  • Warum glauben Sie, bei uns erfolgreicher zu sein?

Wie auch immer die Frage gestellt wird. Ein paar Dinge solltest du in jedem Fall beachten. Allem voran solltest du diese No-Gos vermeiden.


No-Gos beim Beantworten der „Kündigungsfrage“

Keine Lügengeschichten

Ehrlich sein und niemals lügen. Wenn du lügst und die Wahrheit doch ans Licht kommt, und das geht sehr schnell, sieht es schlecht für dich aus. Nicht nur im Bewerbungsverfahren. Auch wenn du den Job bereits erhalten hast und der Schwindel auffliegt, kann dich das deinen Job kosten.

Keine Kritik am früheren Arbeitgeber

Sprich nie negativ über frühere Arbeitgeber*innen. Auch wenn es noch so viele Grunde dafür gäbe. Das wirkt unprofessionell und hinterlassen immer einen schlechten Eindruck.

Keine detaillierten Ursachen

Verstricke dich nicht in Details. Das kann auf der Suche nach einer plausiblen Erklärung schon mal passieren. Gerade, wenn man nicht auf die Frage vorbereitet ist. Das passiert dir nach diesem Beitrag aber hoffentlich nicht.

„Die Vergangenheit ist Schnee von gestern.“

Blicke nach vor und nicht zurück. Sprich über deine Wünsche für die Zukunft, anstatt über die Vergangenheit zu schimpfen. Der Fokus liegt auf dem neuen Job.


Was sind Kündigungsgründe?

Es gibt bei Kündigungen zwei unterschiedliche Ursachen:

  1. Hast du selbst gekündigt oder
  2. wurdest du entlassen?

Ersteres ist natürlich leichter zu begründen. Dennoch solltest du die No-Gos im Kopf behalten. Selbstbewusste und nach vorne gerichtete Gründe sind zum Beispiel:

  • Der Wunsch nach beruflicher Neuorientierung oder
  • nach Aufstiegsmöglichkeiten, die dein früherer Arbeitsplatz nicht bieten konnte.

Wenn du entlassen wurdest, ist es etwas schwieriger zu argumentieren. Doch auch hier gibt es noch zwei Unterschiede:

  • War es eine unverschuldete Kündigung, beispielsweise wegen Insolvenz, Schließung der Filiale oder Personalabbau und Entlassungen?
  • Oder war die Kündigung selbstverschuldet, wegen mangelnder Leistung oder dem Verhalten?

Auch bei dieser Unterscheidung ist Ersteres leichter zu begründen. Gib den Grund einfach ehrlich an und richte auch hier wieder den Blick nach vorne. Auch bei einer selbstverschuldeten Kündigung sollst du nicht lügen. Du musst aber nicht jedes Detail erzählen. Hier kann ein kurzer Blick zurück auch hilfreich sein, um die Situation zu analysieren und zu zeigen, dass man sich damit auseinandergesetzt hat und dazu gelernt hat.


Wie antworte ich richtig auf diese Frage?

Soweit zur Theorie. Nun wollen wir dir ein paar Beispiele mitgeben, an denen du dich orientieren kannst. Du sollst sie aber nicht einfach übernehmen, auch wenn sie nicht passen. Sie sollen dir nur eine Hilfestellung geben, um die für deine Situation richtige und ehrliche Antwort zu formulieren. Achte außerdem auf deine Körpersprache in Vorstellungsgesprächen, die auch viel über dich und deine Aussagen ausdrückt – oftmals mehr als uns lieb ist.

Beispielhafte Antworten auf die Frage nach dem Kündigungsgrund:

  1. Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht mein ganzes Potenzial ausschöpfen konnte und suche neue, größere Herausforderungen.
  2. Ich mochte meinen Job lange sehr gerne. Ich konnte mich gut entwickeln und bin meiner*meinem Arbeitgeber*in sehr dankbar. Ich bin in diesem Unternehmen nun aber an einer Stelle angekommen, an der es für mich keine neuen Herausforderungen und keine Aufstiegsmöglichkeiten gibt. Ich möchte mich aber gerne noch weiterentwickeln und meine Fähigkeiten weiter ausbauen.
  3. Unser Unternehmen durchlief einige Umstrukturierungen, wodurch das Unternehmen beziehungsweise die Stelle nicht mehr ganz meinen Vorstellungen, Kompetenzen und Stärken entspricht.
  4. Bei Umstrukturierungen wurde ein großer Teil der Stellen gestrichen. Darunter auch meine.
  5. Aufgrund der wirtschaftlichen Lage mussten einige Filialen geschlossen werden. Darunter war auch mein Arbeitsplatz.
  6. Ich war nicht mehr zufrieden mit meinem Beruf und konnte nicht mehr die Leistung erbringen, die ich von mir gewohnt bin. Deshalb habe ich mich umorientiert und neu fokussiert und bin nun bereit, in diesem Beruf neu durchzustarten, wieder die volle Leistung zu bringen und Erfolgserlebnisse zu feiern.

Wir fassen zusammen

Die Frage nach dem Kündigungsgrund kann einen schnell verunsichern. Gerade dann, wenn die Kündigung nicht von dir als Arbeitnehmer*in ausging. Sie zielt aber nicht darauf ab, dich zu quälen oder völlig zu disqualifizieren. Sondern dazu, dich kennenzulernen.

Damit das möglich ist, musst du ehrlich und authentisch sein. Wenn du auch nicht immer jedes Detail erzählen musst. Lügen und Beschönigungen werden häufig entlarvt und damit disqualifizierst du dich selbst ganz bestimmt.

Deshalb sei ehrlich, authentisch und selbstbewusst. Halte die Antwort kurz und bestimmt. Richte deinen Blick auf die Zukunft und nicht auf die Vergangenheit. Schimpfe also auch nicht über frühere Arbeitgeber*innen. Dann kann nicht allzu viel schief gehen.

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