Bildungskarenz – so zahlt sie sich auch für dich aus

Bildung ist für alle da, und das gilt laut UN sogar als Menschenrecht – in der Umsetzung hapert es allerdings bei vielen Staaten. Auch in Österreich gibt es hinsichtlich der freien Bildung und Chancengleichheit sicherlich Baustellen. Dennoch kann unser Staat Ass im Ärmel zücken, das andere beneiden: die Bildungskarenz. Sie erlaubt, eine Auszeit von der Arbeit zu nehmen, um etwas dazu zu lernen. Viele wissen allerdings nur wenig oder gar nichts davon und nehmen dieses Modell nicht in Anspruch – wir klären in unserem neuen Blogbeitrag auf, damit du deine Chance nutzen kannst.

Bildungskarenz – so zahlt sie sich auch für dich aus

Arbeitswelt | Lesedauer: 8 min | veröffentlicht am 01. Juni 2023
Zielgruppe: Wissenshungrige Arbeitnehmer*innen
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Bildungskarenz - was ist das eigentlich?

Wer schon seit Jahren fleißig arbeitet, weiß: irgendwann wird selbst die abwechslungsreichste Beschäftigung zum Alltag und Monotonie macht sich breit. Nicht wenige Menschen entwickeln auf der Suche nach neuen Herausforderungen das Bedürfnis, sich weiterzubilden. Oftmals steht dem aber der zeitfressende Fulltime-Job im Wege, wodurch die Idee oft eine Idee bleibt.

Eine gute Chance zum Tapetenwechsel fürs Hirn bietet in diesem Fall die sogenannte Bildungskarenz. Durch sie kannst du dich bis zu einem Jahr zur Weiterbildung von der Arbeit freistellen, ohne deshalb deinen Job kündigen zu müssen.

Dabei musst du im Vorfeld allerdings einige Schritte bedenken:

Der wichtigste ist die Absprache mit deinen Arbeitgeber:innen! Für diese Form der Karenz gilt nämlich kein grundsätzlicher Rechtsanspruch, den du nach Lust und Laune gültig machen kannst. Erst, wenn du die Auszeit mit deinem Unternehmen vereinbart hast, muss auch dieses sich an bestimmte Regeln der Bildungskarenz halten. Umso wichtiger ist es, dir diese Regeln gut einzuprägen.


Wie lange darf ich in Bildungskarenz gehen?

Insgesamt steht dir bei der Bildungskarenz ein Jahr oder 12 Monate “Lernurlaub” zur Verfügung, den du innerhalb von vier Jahren aufbrauchen kannst.

Du kannst dein Kontingent sowohl

  • ein ganzes Jahr am Stück als auch
  • in mehreren Zeitabschnitten konsumieren. Diese müssen allerdings jeweils mindestens zwei Monate dauern. Insgesamt kannst du also innerhalb von 4 Jahren bis zu 6-mal in Bildungskarenz gehen.

Was viele nicht wissen – die Bildungskarenz muss nicht einmalig bleiben. Du kannst sie in deinem Arbeitsleben öfters beantragen, zwischen den Anträgen müssen allerdings stets 4 Jahre vergangen sein, bevor du neue Zeit zur Weiterbildung beantragst.


Welche Voraussetzungen muss ich für die Bildungskarenz mitbringen?

Es braucht nicht viel, um Anspruch auf die Bildungskarenz zu haben. Grundsätzlich steht sie allen Arbeitnehmer:innen zu, die:

  • In den letzten 4 Jahren zumindest bei einem Arbeitsplatz 6 Monate am Stück gearbeitet haben und…
  • …Beiträge in die Arbeitslosenversicherung einzahlen.

Bildungskarenz können also alle beanspruchen, die in einem höheren Ausmaß als „geringfügig“ beschäftigt sind. Auf die Stundenanzahl kommt es nicht an, insofern der Lohn die Geringfügigkeitsgrenze übersteigt.

Für Saisonarbeiter:innen wie in der Gastronomie gilt indes, dass sie nur 3 Monate beim gleichen Unternehmen gearbeitet haben müssen. Auch freie Dienstnehmer:innen bekommen seit 2011 die Chance auf Bildungskarenz, insofern sie diese Ansprüche erfüllen.


Bekomme ich während der Bildungskarenz mein Gehalt?

Leider unterscheidet sich die Bildungskarenz insofern vom herkömmlichen Urlaub, als dass dir währenddessen nicht dein üblicher Lohn ausgezahlt wird. Um trotzdem nicht leer auszugehen, kannst du Weiterbildungsgeld beim AMS beantragen.

Dabei wird dir täglich eine Summe ausgezahlt, die deinem fiktiven Arbeitslosengeld entspricht. Beziehst du diese Förderung, bist du während deiner Lernzeit auch

  • kranken-,
  • pensions- und
  • unfallversichert.

Außerdem kannst du dir im Rahmen der Bildungskarenz auch ein bisschen dazuverdienen – solange du dabei die Geringfügigkeitsgrenze nicht überschreitest. 2023 liegt diese bei 500,91 Euro im Monat. Wenn du im Rahmen deiner Weiterbildung (zum Beispiel durch ein Praktikum) Geld verdienst, darfst du das 1,5-fache der aktuellen Geringfügigkeitsgrenze verdienen, um die Finanzspritze vom AMS zu erhalten. Das wären aktuell demnach 751,36 Euro.

Auch für das Weiterbildungsgeld musst du ein paar Voraussetzungen erfüllen, die allerdings kein Hexenwerk darstellen. So setzt es deinen Anspruch auf Arbeitslosengeld und wiederum eine schriftliche Vereinbarung mit deinen Arbeitgeber:innen voraus, hinzu kommt ebenfalls die Einhaltung der 6-Monate-Regel. Zudem musst du deinen “Bildungserfolg” während der Karenz in gewissem Ausmaße nachweisen können.

Gehalt während der Bildungskarenz - salzburgerjobs.at


Was zählt als “Weiterbildung”?

Falls du an dieser Stelle denkst: “Hurra, endlich habe ich Zeit, um Klavier oder Spanisch zu lernen!”, müssen wir dich (in den meisten Fällen) leider enttäuschen. Du bekommst nur dann Weiterbildungsgeld vom AMS, wenn das, was du in deiner freigeschaufelten Zeit dazulernst, auch deiner beruflichen Weiterentwicklung dient. Du kannst also nicht einfach irgendeinem Hobby nachgehen, wenn du nicht leer ausgehen willst. Ob ein Spanischkurs oder Klavierstunden zu deiner Weiterentwicklung in deinem Beruf beitragen, teilt dir schlussendlich das AMS mit. Die zuständigen Sachbearbeiter:innen entscheiden allerdings von Fall zu Fall - wenn du deinen Traumkurs auch nachvollziehbar als eine sinnvolle Weiterbildung darstellen kannst, stehen deine Chancen auf eine Finanzspritze nicht immer schlecht.

Insgesamt musst du ein Ausmaß von 20 Wochenstunden nachweisen, um das Weiterbildungsgeld zu beanspruchen. Einen Kurs hast du schließlich auch durch Zeugnisse oder andere Abschluss-Zertifikate nachzuweisen.

Bei einem Studium heißt es für dich, jeweils nach einem Semester Prüfungen im Umfang von 4 Semesterwochenstunden oder 8 ECTS-Punkten nachzuweisen. Das hast du allerdings in vielen Fällen schon erledigt, wenn du ein bis zwei Kurse an der Uni abschließt, da diese meistens mit 2,5 bis 10 ECTS-Punkten belohnt werden. Versäume allerdings nie, diese Nachweise einzureichen - ansonsten kann das AMS dein Weiterbildungsgeld wieder zurückfordern.

Nachweise rechtzeitig einzureichen, solltest du dir während der gesamten Bildungskarenz ganz oben auf die To-Do-Liste schreiben. So musst du deine jeweilige Ausbildung in der Regel auch mit dem Beginn der Karenz starten. Nur manchmal gewährt das AMS eine Vorlaufzeit von vier Wochen. Achte in jedem Fall darauf, den Antrag pünktlich einzureichen, ansonsten verfällt dein Anspruch auf das oft dringend nötige Geld.


Kann ich in der Bildungskarenz gekündigt werden?

Ja! Anders als bei der Mutter- oder Väterkarenz bist du während der Bildungskarenz nicht vor einer Kündigung gefeit. Du solltest dich also bei deiner Firma erkundigen, ob dieses Szenario im Falle deiner Abwesenheit eintreten könnte, bevor du ein böses Erwachen erlebst.

Falls du entgegen deinen Erwartungen gekündigt wirst, hast du allerdings trotzdem weiterhin Anspruch auf dein Weiterbildungsgeld und kannst zumindest die Ausbildung beenden. Wenn der Vertrag einvernehmlich aufgelöst wird oder du aus eigenem Verschulden heraus entlassen wirst, erlischt dein Anspruch allerdings.


Die hybride Alternative: Was bietet die “Bildungsteilzeit”?

Seit 2013 gibt es auch eine sogenannte Bildungsteilzeit, die du beanspruchen kannst, wenn du zwar etwas dazulernen, aber gleichzeitig dem Betrieb in Teilzeit erhalten bleiben möchtest. Viele beanspruchen die Bildungsteilzeit als „gesunde Mitte“ zwischen Job und der Weiterbildung. Ebenso wie bei der Bildungskarenz kannst du es nach einem halbjährigen Arbeitsverhältnis bei gleichbleibender Anstellung beanspruchen. Die Bildungsteilzeit kann zwischen vier Monate und 2 Jahren dauern. Insgesamt hast du ebenfalls 4 Jahre Zeit, um die Bildungsteilzeit zu konsumieren.

Auch bei der Bildungsteilzeit kannst du das AMS um eine Förderung beantragen. Diese beträgt täglich 0,76 Euro pro Arbeitsstunde, um die die wöchentliche Arbeitszeit verringert wird. Reduzierst du die Arbeitszeit um die Hälfte, also von 40 auf 20 Wochenstunden, bekommst du monatlich pauschal 456 Euro. Weiters gelten die gleichen Förderungsmaßnahmen wie bei der Bildungskarenz.

Wenn dir während der Lernzeit die Arbeit abgeht, du aber weiterhin etwas dazulernen willst, kannst du auch von der Bildungskarenz zur Bildungsteilzeit wechseln, insofern du das Kontingent von einem Jahr noch nicht ausgeschöpft ist und dein:e Arbeitgeber:in zustimmt. Ein erneutes Wechseln zur Bildungskarenz ist dann allerdings nicht mehr möglich.


Bildungskarenz: was habe ich davon?

Die Vorteile einer Bildungskarenz liegen auf der Hand:

So dient die Freistellung ambitionierten Arbeitnehmer:innen, sich intensiv auf ihre Weiterbildung zu konzentrieren, ohne den stressigen Arbeitsalltag im Rücken zu wissen. Du kannst dich in dieser Zeit voll und ganz deinem Lernprozess hingeben und wirst, insofern du alle Voraussetzungen erfüllst, trotzdem zumindest ein wenig dafür vom AMS entlohnt.

Die Bildungskarenz kann nicht nur deinem Arbeitsleben eine willkommene Abwechslung bieten, sondern auch wichtige Qualifikationen ermöglichen, die dir später leichteres Spiel am Arbeitsmarkt verschaffen. Für viele ist sie eine willkommene Möglichkeit, aus dem Alltagstrott auszubrechen und etwas für sich selbst zu sorgen - was sie nicht nur fachlich versierter, sondern auch zufriedener macht.

Mit der Weiterbildung hast du außerdem nicht selten die Chance, klaffende Lücken am Arbeitsmarkt zu stopfen, die der eklatante Fachkräftemangel in vielen Branchen verursacht hat. Schaue gezielt, wo gerade – sei es firmenintern oder extern - händeringend nach Fachkräften gesucht wird und bediene diese Nischen, falls du innerhalb deiner Branche noch einmal umsatteln willst, bevor es zu spät ist. Das kann deiner Karriere neuen Schwung verleihen und sich auch auf dem Lohnzettel positiv bemerkbar machen.

Auch wenn du dein Unternehmen und die oder den CEO von dir überzeugen willst, bietet sich eine Bildungskarenz an. Natürlich ist kein Chef und keine Chefin zunächst begeistert, wenn deine Stelle vorübergehend ersetzt werden muss. Wenn du deinen Vorgesetzten allerdings glaubwürdig darstellst, dass du dich weiterbildest, um das Unternehmen mit deinem neu gewonnenen Know-How zu bereichern, wird das auch die Geschäftsführung wertschätzen. Immerhin zeigst du damit, dass du deine Zukunft als Teil des Unternehmens planst und dafür auch Opfer bringst –das kann deine Position im Unternehmen nachhaltig festigen.


Bringt die Bildungskarenz auch Nachteile mit sich?

Natürlich ist die Bildungskarenz auch mit Einschränkungen verbunden: in erster Linie gilt das für dein Konto. Gerade, wenn du sonst ein starkes Einkommen vorweisen kannst, musst du dich während der Bildungskarenz mit sehr viel weniger Geld zufriedengeben. Für Menschen, die eine Familie zu ernähren haben oder einen gehobenen Lifestyle pflegen, kann das schnell zur Belastung werden. Du solltest also im Vorfeld genau kalkulieren und im Zweifelsfall ein finanzielles Polster zu schaffen, um dich für die Zeit der Bildungskarenz abzusichern. Insbesondere, wenn das Geld knapp ist, solltest du dich also rechtzeitig um den Antrag für das Weiterbildungsgeld kümmern.

Außerdem kann die Bildungskarenz deinen bisher festen Stuhl im Unternehmen zum Wackeln bringen. Das gilt insbesondere, wenn du deinen Vorgesetzten signalisierst, dass du dich weiterbildest, um danach lieber woanders weiterzuarbeiten. Dann läufst du Gefahr, dass du in der Zwischenzeit durch jemanden ersetzt wirst, der eher gewillt ist, sich langfristig mit deinem Unternehmen zu binden. Ist dir deine aktuelle Stelle heilig, solltest du dich also durchaus darum bemühen, deiner Chefin oder deinem Chef zu zeigen, warum du gern die Schulbank drückst, aber weiterhin für das Unternehmen arbeiten willst. Solltest du allerdings nicht zu sehr an deinem Unternehmen hängen, wird dich eine Kündigung auch nicht belasten.

Immerhin kann eine gezielte Weiterbildung dafür sorgen, dass für dich am Jobmarkt ein besserer Arbeitsvertrag auf dich wartet.

Wir fassen zusammen: Nutze deine Chance!

Das Konzept Bildungskarenz bietet dir die Chance, das nachzuholen, was du lange versäumt geglaubt hast. Du kannst endlich die Kurse absolvieren, die du in Vollzeitarbeit nie bewältigen würdest.

Mit der Bildungsteilzeit gibt es zusätzlich ein Hybrid-Modell, das dir erlaubt, Arbeit und Bildung zu kombinieren und für noch mehr Abwechslung in deinem Alltag zu sorgen.

Die Bildungskarenz schont vor allem auch deine psychischen Ressourcen und führt dich nicht geradewegs in den Burnout, weil du dich nach der Arbeit oder am Wochenende mit Zusatzkursen herumschlagen musst. Wenn du dein Anliegen der Firma auch verständlich, aber gleichzeitig ehrlich präsentierst, wirst du auch in der oberen Etage Verständnis und Respekt für deine Strebsamkeit genießen. In jedem Fall ist die Bildungskarenz eine willkommene Abwechslung, falls dich jemals die Routine plagt – ein Tapetenwechsel sorgt schlussendlich nicht selten dafür, dass du neuen Elan bekommst, wieder für deine Arbeit brennst – und somit auch brillierst.

 

Maximilian E.

Max widmet sich in seinem Beruf- und Privatleben ganz dem geschriebenem Wort in all seinen Facetten. Nach seinem Studium in Innsbruck, das er 2020 mit einem Master in Medienwissenschaften abschloss, war er in verschiedenen renommierten Redaktionen tätig, zu denen auch der Standard oder das VICE Magazin in Berlin zählen. Für seine Arbeit wurde er 2021 zu einem der 30 besten Jungjournalist:innen in Österreich gekürt. Neben seiner Tätigkeit als freier Journalist arbeitet er auch als Texter und bedient die Tastatur seit Beginn 2023 für uns. Seine Prinzipien als Journalist lässt er auch mit seinen Blogbeiträgen für unsere Portale nicht außer Acht: so will er Ungerechtigkeiten in der Arbeitswelt stets auf den Grund gehen und stellt die Bedürfnisse von Arbeitnehmer:innen stets in den Fokus.

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