Automatisierung in der Arbeitswelt: Keine Angst um Jobverluste

Wir befinden uns gerade mitten in einer Zeit der großen Umbrüche. Die digitale Transformation verändert alle Lebensbereiche mit einer rasanten Geschwindigkeit – und das nicht nur durch Technologien wie „Smart Home“ und neue Kommunikationsformen. Besonders sichtbar wird dies in der Arbeitswelt, die sich durch die Industrie 4.0, digitale Kommunikationsformen und Automatisierung grundlegend wandelt. Doch wo bleibt der Mensch, wenn Computer und Roboter immer mehr Arbeiten erledigen können? Müssen wir uns Sorgen um unsere Arbeitsplätze machen, weil wir durch Roboter ersetzt werden?

Automatisierung in der Arbeitswelt

Welche Berufsgruppen sind durch die Automatisierung „gefährdet“?

Gefährdete Berufsbilder sind vor allem jene, deren Haupttätigkeiten schon heute einfach zu automatisieren sind. So haben Forscher*innen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bei 4.000 Berufen untersucht, aus welchen Tätigkeiten sie hauptsächlich bestehen, und dann den potenziellen Automatisierungsgrad dieser Aufgaben ermittelt. Je höher dieser Prozentsatz ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Berufsbild in Zukunft verschwinden wird und Algorithmen oder Roboter die Tätigkeiten erledigen.

So könnten beim Bankkaufmann (bzw. der Bankkaufmann) bereits jetzt sieben von acht Tätigkeiten automatisiert werden, also 88 %. Das bedeutet ein hohes Risiko für eine zunehmende Automatisierung und damit (zumindest teilweise) Ersetzung dieser Angestellten.

„Das menschliche Bewusstsein ist einzigartig“

Am schwersten zu ersetzen sind dagegen Jobs, die menschliche Interaktionen voraussetzen, wie z. B. in den Gesundheitsberufen. So ist das Automatisierungsrisiko bei Berufsgruppen wie Ärzten, Altenpfleger*innen oder Krankenpfleger*innen in den letzten Jahren nicht gestiegen.


Keine Angst vor Jobverlusten: Die Automatisierung kreiert neue Berufsbilder

Forscher*innen des IAB geben Entwarnung:

Sie haben in einer Studie den deutschen Arbeitsmarkt von 1976 bis 2017 analysiert und sie sehen keine Anzeichen dafür, dass uns die Arbeit ausgeht. Umbrüche in der Arbeitswelt gab es schon immer.

Es ist normal, dass Arbeitsplätze verschwinden und dafür neue entstehen.
Seit 1993 ist die Beschäftigung insgesamt sogar minimal gestiegen.

Denn durch den digitalen Wandel werden zwar viele Berufe überflüssig, doch es werden auch Menschen gebraucht, die die Roboter warten und die Computer programmieren. Durch den technologischen Fortschritt entstehen neue Produkte, die wiederum neue Berufsbilder schaffen.

Beispiel: Interface Designer

So ist z. B. der Beruf des Interface-Designers entstanden, der an der Schnittstelle zwischen Menschen und Maschine arbeitet: Er entwickelt Benutzeroberflächen für Computersysteme und technische Produkte so, dass der Mensch sie möglichst einfach und intuitiv bedienen kann. Und da es hierbei zentral um die Wahrnehmung des Menschen geht, ist eine Automatisierung quasi unmöglich.


(Un)mögliche Umschichtungen von Arbeitsplätzen

Es werden also insgesamt nicht weniger Jobs, aber es kommt zu einer Umschichtung von Arbeitsplätzen bzw. zu einer Veränderung der bestehenden Berufsbilder. Denn viele Berufe werden gar nicht abgeschafft, sondern verändern sich nur: Die Menschen können sich auf die sozialen und kreativen Aufgaben konzentrieren, während die Computer Tätigkeiten erledigen, in denen sie eindeutig schneller und/oder besser sind sowie auch eine geringe bis gar keine Fehleranfälligkeit aufweisen (wie z. B. die Datenanalyse).

Außerdem wird auch nicht jeder ersetzbare Arbeitsplatz zwingend in den nächsten Jahren automatisiert, nur weil es möglich wäre. Denn die Arbeit des Menschen kann im Vergleich zum Computer flexibler, höherwertiger oder günstiger sein oder er kann aus rechtlichen oder moralischen Gründen nicht ersetzt werden. Durch diese rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ändern sich die Berufe grundsätzlich langsamer, als es von den technischen Möglichkeiten her machbar wäre.

Besonders schwer könnten es Hilfsberufe haben – also jene Arbeitnehmer*innen, die keine oder nur eine einjährige Ausbildung haben. So werden z. B. in der Logistik Transportroboter eingesetzt, die selbstständig den besten Weg zur Be- oder Entladestation erkennen und so den Job von Kommissionier*innen erledigen. Allerdings ist die Zahl der Beschäftigten in der Logistikbranche in letzte Zeit sogar gestiegen, bedingt durch den gestiegenen Paketversand und die niedrigen Löhne. Denn die menschliche Arbeit ist oft noch billiger als die von Maschinen.


Warum es in Zukunft auf die Ausbildung ankommen wird

Allerdings zeigt die Studie des IAB auch, dass Ausbildung immer wichtiger wird. Denn seit den 1970er Jahren nehmen die Arbeitsplätze für Hochqualifizierte mit Hochschulabschluss zu, die Jobs für Geringqualifizierte ohne Ausbildungsabschluss werden dafür immer weniger.

Und die Studie „OECD Skills Outlook 2019“ zeigt, dass mehr Tätigkeiten eines Berufs automatisiert werden können, je geringer der Ausbildungsgrad ist. Arbeitsplätze von Spezialisten und Experten sind dagegen eher schwer zu automatisieren. So können bei

  • Hilfsberufen immerhin mehr als die Hälfte der Tätigkeiten automatisiert werden (58 %),
  • bei Fachkraftberufen 54 %,
  • bei Spezialistenberufen 40 % und bei
  • Expertenberufen nur 24 %.

Eine gute Ausbildung sowie „lebenslanges Lernen“ sind daher wichtig, um immer auf dem neuesten Stand zu bleiben und den Herausforderungen gewachsen zu sein.

Hier sehen die Forscher*innen der IAB-Studie den Staat und die Arbeitgeber*innen in der Pflicht:

Diese sollen dafür sorgen, dass die Arbeitnehmer*innen Fähigkeiten erlernen, die in Zukunft besonders gefragt sein werden. Konkretes berufsbezogenes Wissen kann schnell veraltet sein und der Bedarf daran kann mit dem entsprechenden Berufsbild verschwinden. Dafür werden andere Fähigkeiten wie Kreativität, Soft Skills und Anpassungsvermögen immer wichtiger.

Doch auch für Geringqualifizierte bietet die Digitalisierung Chancen – denn immer mehr Unternehmen setzen moderne Technologien wie Apps oder Virtual-Reality-Brillen ein, um die Mitarbeiter*innen zu schulen oder bei komplexen Aufgaben zu unterstützen.


Zusammenarbeit von „Mensch und Maschine“

In vielen Bereichen werden Maschinen die Menschen nicht einfach ersetzen, sondern zu großen Teilen ergänzen. Vor allem Arbeitnehmer*innen in der Industrie werden in Zukunft wohl enger mit Robotern zusammenarbeiten. Denn anstatt Industrie-Roboter, die zum Schutz der Arbeiter*innen von Käfigen umgeben sind, arbeiten immer häufiger Leichtbau-Roboter Seite an Seite mit ihren menschlichen Kolleg*innen. Diese Roboter lernen in der Industrie 4.0 durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), mit den Menschen zusammenzuarbeiten, ohne sie zu verletzen.

Das Wichtigste bei dieser Transformation ist die Einbindung der Menschen.

Denn durch die Hiobsbotschaften, dass die Maschinen uns die Arbeit wegnehmen werden, müssen hier starke Vorurteile abgebaut werden. Laut Sebastian Schlund, Leiter des Forschungsbereichs Mensch-Maschine-Interaktion an der Technischen Universität Wien, entbehren diese Vorstellungen jedoch jeglicher Grundlage. Denn außer der Bedienung der Maschinen sind viele Arbeitsschritte nicht so einfach zu automatisieren, wie zum Teil angenommen wird.

Und, wie „Der Standard“ schreibt, sind auch Maschinen fehlbar, sodass einige Firmen zurückgerudert sind und einen Teil ihrer Roboter wieder durch Menschen ersetzt haben.

Quelle: https://www.derstandard.at/consent/tcf/story/2000106439938/industrie-4-0-hat-der-fabrikarbeiter-ausgedient

Trotz allen Herausforderungen und der Ungewissheit der Zukunft gibt es also keinen Grund zur Panik. Wer auf dem Laufenden bleibt und sich regelmäßig weiterentwickelt, hat nicht viel zu befürchten.


Bedeutung: Bedingungsloses Grundeinkommen

Und falls alle Stricke reißen sollten: Die Verfechter des Grundeinkommens plädieren für eine Besteuerung der Einnahmen, die Unternehmen durch Maschinenarbeit generieren. Durch diese und andere steuerliche Maßnahmen soll dann ein bedingungsloses Grundeinkommen finanziert werden, das den Menschen ein Einkommen garantieren soll, auch wenn sie keine Arbeit mehr haben. Immerhin eine schöne Vorstellung: die Maschinen machen die Arbeit, während wir uns selbst verwirklichen oder uns um unsere Mitmenschen kümmern ...


Ist mein Job durch Roboter gefährdet?

Kleiner Tipp: Wer wissen will, wie es um die Zukunft seines Arbeitsplatzes steht, kann dies mit dem „Job-Futuromat“ des IAB testen.

Als besonders sicher gelten übrigens Jobs im Anwender-Support oder in der Datensicherheit, da diese nicht so einfach zu automatisieren sind.

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